Begrüßung
Vera Penisch (Obmann-Stv. Kultur- und Wanderverein Wacholderblick):
"Herzlich Willkommen beim Gipfelstürmen am Buschberg, der höchsten Erhebung des Weinviertels und auch dem einzigen Naturpark im Weinviertel.
Bestimmt sind heute einige unter uns, die öfter hierher kommen um den traumhaften Ausblick am Gipfel des Buschbergs zu genießen und Ruhe und Erholung zu finden.
Wir möchten diesen Tag dem ehemaligen Gemeindearzt von Gnadendorf und Homöopathen, Dr. Ferdinand Weinschenk, der leider viel zu früh von uns gegangen ist, ein Denkmal für seinen Einsatz am Erhalt dieses Naturjuwels setzen."
Musikkapelle bestehend aus Mitgliedern der Blaskapellen
Gaubitsch, Mistelbach und Gnadendorf :
Singgemeinschaft Gnadendorf
1. Station: Heinrich "Heini" Staudinger
"Der Josef Regner hat mich anmoderiert. Dabei sagte er – auf „schönere“ Art – meinen Firmengrundsatz Nummero 1 … ich konnte mich nicht zurückhalten und musste diesen Satz „auf gut Deutsch“ sagen. Da heißt er ganz einfach: „Scheiß di ned au“.
Fürchtet euch nicht/fürchte dich nicht … so lautet der häufigste Satz in der Bibel. Zurecht kommt dieser Satz in der Bibel so häufig vor, denn eines ist sonnenklar, - nichts hindert uns mehr am Leben als die (eigene) Angst.
… wäre Jesus ein Oberösterreicher gewesen, hätte er sicher „scheiß di ned au“ gesagt, statt in Schönsprech „fürchte dich nicht“, denn, und da bin ich mir ziemlich sicher, - er wollte die Menschen wirklich erreichen.
Ich danke den Organisatoren für diese Wanderung, bei der wir an Weinschenk Ferdl denken und seiner Art, seines Wirkens und seines Engagements für die Natur gedenken. Diese heutige Wanderung freut mich umso mehr, als bei einem „Corona-Begräbnis“ ja ein ganz wesentlicher Teil fehlt, nämlich der, dass die Lebenden zusammenkommen und dass wir alle - im Gedenken an den verstorbenen Freund – spüren, dass wir das Leben lieben sollen/wollen.
Ich habe eingedenk eines verstorbenen Freundes folgendes Spiritual immer sehr, sehr gern …
Swing low, sweet chariot, coming for to carry me home.
Swing low, sweet chariot, coming for to carry me home.
und jetzt kommt meine Lieblingsstrophe …
If you get there before I do,
tell all my friends I´m coming too.
… und meine Übersetzung …
Ferdl, mei Freind, du bist schau durt,
sog s meine Freind, - I kum a, - oba ned sofurt.
Danke. Danke Ferdl. Es braucht Menschen, wie du einer warst, Menschen, die uns daran erinnern, dass wir von der Natur abhängig sind und nicht die Natur von uns. Man kann es noch deutlicher sagen, - wir sind Teil der Natur. Was wir der Natur antun, das tun wir uns selber an.
Viel zu lange schon folgen wir der Logik des Geldes und dienen weiterhin dem Fortschritt, obwohl wir überall sehen können, wie alles kaputt geht. Oh ja, da braucht es Menschen, die sich nicht mit Geld kaufen lassen, sondern die klaren Sinnes sind und auch im Stande sind die wirklichen Werte des Lebens zu erkennen, für diese eintreten und zu kämpfen. So einer war unser Ferdl Weinschenk. Danke. Danke Ferdl.
In der Woche vor dieser unserer Weinschenk-Buschberg-Wanderung habe ich folgendes Rilke Gedicht „Der Schauende“ auswendig gelernt … ich kann es fast auswendig … mit diesen schönen Versen möchte ich nun enden.
Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.
Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.
Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos.
Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.
Rainer Maria Rilke, 21.1.1901, Berlin-Schmargendorf
P. s.: …………. Mit diesem Gedicht habe ich meine „Station“ beendet. Ich bin dankbar, dass ich bei dieser schönen Wanderung dabei sein durfte. Ich hab viele liebe Leute kennengelernt und bin „gestärkt“ heimgefahren. Danke Ferdl, danke euch allen.
P.p.s. Gerade habe ich eine Nachricht vom Tod eines Onkels erhalten. Drunter schrieb mein Cousin einen Satz von Udo Lindenberg „Er ist nicht von uns gegangen. Er ist vor uns gegangen.“ … Passt gut zum „Swing Low“ und zum „I kum a“ … „da Ferdl is schau durt – I kum a – oba ned sofurt“.
Also, gute Reise, Euer Heini"
2. Station: Jimmy Schlager und Chris Heller
tolle Stimmung bei
Da Teifl schlaft ned
Tiergarten dahaam
und zum Abschluss:
Nur am Buschberg ned!
Text & Melodie: Jimmy Schlager
(Melodie von "nur ka wossa ned")
Na do locht kana
Des is mehr zum Wana
Wos de auffian is echt olahaund
Vuraus und hintaus
Gaunz wurscht wos du hinschaust
Steht da blinkade Dreck umanaund.
Und daun redns uns ein
Geh do derfst ned so sei
Se san für Umwöd und grüne Energie
Und a jeda der kau
Füd se d’Hosnsackln aun
Stöd uns überall d’Windradln hin.
Nur am Buschberg ned
Nur am Buschberg ned
I man i dram
Nemds des Glumbat und stöds eichas ham.
4. Station: Mag. Anneliese Peterson,
(evangelische Pfarrerin aus Korneuburg)
"Eine BANK zum Gedenken an Dr. Ferdinand Weinschenk.
Weil ich gerade direkt aus meiner Kirche komme – wissen Sie, warum man Kirchenbänke eingeführt hat? (Bis in die Zeit der Reformation gab es nämlich keine.) Nicht wegen der Bequemlichkeit, sondern damit es nicht so viel Unruhe gab. Damit die Menschen nicht herumgingen, miteinander redeten und vielleicht auch noch dem Prediger widersprachen. Man hat Kirchenbänke eingeführt, damit die Leute Ruhe geben!
Das wäre nicht im Sinne von Ferdinand Weinschenk! Denn er war einer der aufgestanden ist, sich mit anderen verständigt hat und widersprochen hat! Ein kritischer Geist. Und ein Aktivist!
Angefangen vom Widerstand gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf in den 70er Jahren, über die Besetzung der Hainburger Au in den 80ern, wo er Weihnachten im Zelt verbracht hat, bis zu seinem vielfältigen Einsatz für den Naturschutz hier im Weinviertel. Unerschrocken war er. Klar. Und unglaublich engagiert.
Eine BANK zum Gedenken an Dr. Ferdinand Weinschenk.
Dass man zur Ruhe kommt auf einer Bank und still wird, vielleicht auch in einer Kirche, jedenfalls in der Natur, das passt aber schon zu ihm. Sehr sogar!
Manchmal hat Ferdinand Weinschenk mit seiner Familie hier auf dem Buschberg Silvester erlebt – mit den Kindern Huckepack heraufgewandert – wo man die Feuerwerke wunderbar sehen, aber nicht hören konnte!
Die Stille des Waldviertels hat er auch geliebt, und in Kärnten war er gern an einem Ort, der Tichoja heißt – was übersetzt „Stille“ bedeutet.
Eine BANK steht aber auch dafür, dass man sich Zeit nimmt für ein Gespräch.
Und das hat Ferdinand Weinschenk! Er hat sich Zeit genommen. Immer!
Als Arzt für Leib und Seele zu jeder Tages- und Nachtzeit. Mit viel Ruhe und Empathie. Als Mensch, als Freund – philosophierend, musizierend, weitblickend, einen neuen Blickwinkel eröffnend, einen Witz erzählend...
... so stelle ich ihn mir vor, im Gespräch auf dieser Bank.
Eine BANK zum Gedenken an Dr. Ferdinand Weinschenk,
das muss eine Bank in der Natur sein! Denn die Natur war (neben den Menschen) sein besonders Herzensanliegen! Sie war ihm wichtig – dem Aktivisten und dem Arzt gleichermaßen. Und dem Menschen, der gern gewandert ist und der so naturverbunden lebte.
Wer auf dieser Bank Platz nimmt, der möge es im Respekt und Gedenken an ihn und sein Wirken tun. Aber vor allem auch im Respekt gegenüber der Natur – denn das wäre wohl sein Anliegen! Dass wir die Natur genießen an diesem schönen Ort, mit allen unseren Sinnen! Und dass wir sie achten – nicht nur als Umwelt, sondern als Mitwelt – weil wir mit ihr leben, nicht nur in ihr und von ihr. Und dass wir uns daran erinnern: Wir haben den Auftrag sie zu bewahren – achtsam mit ihr umzugehen und sie zu schützen!
Dass diese Bank ein solcher Ort des Innehaltens und Erinnerns und des Respektes sein möge – dafür bitten wir um den Segen Gottes.
GEBET
Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns.
Beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters erinnern wir uns.
Beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers erinnern wir uns.
Beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes erinnern wir uns.
Wenn wir müde sind und Kraft brauchen erinnern wir uns.
Wenn wir Sorge haben und Angst, erinnern wir uns.
Wenn wir Freude erleben und sie teilen möchten, erinnern wir uns.
Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht erinnern wir uns.
Möge die Erinnerung uns Kraft geben zum Handeln und Freude zum Leben.
Möge unser Erinnern gesegnet sein.
SEGEN
Gott, Schöpfer allen Lebens,
Wir bitten dich um deinen Segen:
für die Schönheit dieses Ortes,
und für die Menschen, die sich hier niederlassen,
für die Gedanken die hier gedacht
und die Gespräche, die hier geführt werden,
für die Erinnerung an Ferdinand Weinschenk
und an das was ihm so sehr am Herzen lag.
Im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes! "